Marketing für Lokalhelden
Gesundheit Lesezeit: ca. 8 Min. 23. Februar 2026

Praxismarketing: Mehr Patienten für Ihre Arztpraxis

Wie Sie als Arzt, Zahnarzt oder Therapeut innerhalb der Berufsordnung neue Patienten gewinnen – mit Google Maps, Bewertungsportalen, einer professionellen Website und gezieltem Social-Media-Auftritt.

Praxismarketing umfasst alle Maßnahmen, mit denen eine Arztpraxis, Zahnarztpraxis oder therapeutische Praxis neue Patienten gewinnt und bestehende bindet. Im Rahmen der ärztlichen Berufsordnung sind sachliche, informative Maßnahmen erlaubt. Google Business Profile ist der wichtigste Kanal – 77 % der Patienten suchen online nach einem neuen Arzt.

Die 5 wichtigsten Marketing-Kanäle für Arztpraxen

Nicht jeder Kanal eignet sich gleichermaßen für Praxismarketing. Die folgenden fünf Kanäle bieten das beste Verhältnis aus Aufwand und Patientenzuwachs.

  1. Google Business Profile – Ihre Praxis erscheint in der lokalen Suche und auf Google Maps. Für viele Patienten ist dies der erste Kontaktpunkt. Ein vollständig ausgefülltes Profil mit Fotos, Öffnungszeiten und Leistungsbeschreibung ist Pflicht.
  2. Jameda & Doctolib – Die beiden größten Arzt-Bewertungsportale in Deutschland. Patienten nutzen sie aktiv zur Arztsuche. Ihr Profil sollte gepflegt und mit aktuellen Informationen versehen sein.
  3. Praxis-Website – Eine eigene Website mit klarer Struktur, Leistungsübersicht, Team-Vorstellung und Online-Terminbuchung. Technisch sauber (schnelle Ladezeit, mobiloptimiert, SSL-Verschlüsselung) und für lokale Suchbegriffe optimiert.
  4. Social Media (professionell) – Instagram oder LinkedIn eignen sich für Einblicke in den Praxisalltag, Vorstellung neuer Behandlungsmethoden und Gesundheitstipps. Der Ton bleibt sachlich und informativ.
  5. Patientenbewertungen – Bewertungen auf Google, Jameda und anderen Portalen sind der wichtigste Vertrauensfaktor. Systematisches Bewertungsmanagement gehört zum Pflichtprogramm jeder Praxis.

Fakt: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung nutzen über 60 % der Patienten Bewertungsportale, bevor sie sich für eine Praxis entscheiden. Ein Arzt mit mindestens 20 Google-Bewertungen und einem Durchschnitt über 4,3 Sternen erhält bis zu 35 % mehr Terminanfragen als ein Arzt ohne Bewertungen.

Google Business Profile für Arztpraxen

Das Google Business Profile (ehemals Google My Business) ist der wichtigste einzelne Kanal für Praxismarketing. Wenn ein Patient „Hausarzt in der Nähe“ oder „Zahnarzt [Stadtname]“ sucht, erscheint das sogenannte Local Pack – drei Praxen mit Karte, Bewertungen und Kontaktdaten – noch vor den organischen Suchergebnissen.

So richten Sie Ihr Profil optimal ein:

  1. Profil verifizieren – Beanspruchen Sie Ihr Profil unter business.google.com und durchlaufen Sie die Verifizierung per Postkarte oder Telefon.
  2. Fachrichtungen eintragen – Wählen Sie die passende Hauptkategorie (z. B. „Allgemeinarzt“, „Zahnarzt“) und ergänzen Sie Unterkategorien für Ihre Schwerpunkte.
  3. Professionelle Fotos hochladen – Zeigen Sie Empfangsbereich, Behandlungsräume und Ihr Team. Praxen mit mindestens 10 Fotos erhalten 42 % mehr Routenanfragen.
  4. Öffnungszeiten und Kontakt prüfen – Inkorrekte Öffnungszeiten führen zu frustrierten Patienten. Pflegen Sie auch Sonderöffnungszeiten (Urlaub, Feiertage) ein.
  5. Bewertungen aktiv managen – Antworten Sie auf jede Bewertung – sachlich, freundlich und ohne Details zur Behandlung preiszugeben (Datenschutz/Schweigepflicht beachten).

Bewertungsportale richtig nutzen

Die drei relevantesten Plattformen für Arztbewertungen in Deutschland sind Jameda, Doctolib und Google. Jede hat eigene Stärken.

Jameda ist mit über 2 Millionen Bewertungen das größte Arzt-Bewertungsportal im deutschsprachigen Raum. Ein gepflegtes Profil (kostenlos möglich) mit Foto, Leistungsspektrum und Praxisbeschreibung ist die Grundlage. Das Premium-Profil bietet zusätzlich eine bevorzugte Platzierung und die Möglichkeit, Online-Terminbuchung direkt einzubinden.

Doctolib hat sich als führendes Terminbuchungsportal etabliert. Patienten können rund um die Uhr Termine buchen – ein Vorteil, der gerade bei jüngeren Zielgruppen hoch geschätzt wird.

Google-Bewertungen sind für die lokale Sichtbarkeit entscheidend. Im Gegensatz zu Jameda sehen auch Patienten die Bewertungen, die nicht gezielt nach einem Arzt suchen, sondern allgemein „Arzt in [Stadt]“ eingeben.

Umgang mit negativen Bewertungen: Reagieren Sie immer sachlich und professionell. Bestätigen Sie weder Details zur Behandlung noch zur Person des Patienten. Eine empfohlene Formulierung: „Vielen Dank für Ihr Feedback. Wir nehmen Ihre Rückmeldung ernst und würden das Anliegen gerne persönlich mit Ihnen besprechen.“

Berufsordnung und Praxismarketing

§ 27 der Muster-Berufsordnung der Bundesärztekammer regelt die Rahmenbedingungen für ärztliche Werbung. Die wichtigsten Grundsätze im Überblick:

  1. Sachliche Information – erlaubt. Informationen über Ihre Praxis, Leistungen, Qualifikationen und organisatorische Hinweise (z. B. Sprechzeiten, Anfahrt) dürfen Sie veröffentlichen.
  2. Anpreisende Werbung – verboten. Formulierungen wie „bester Arzt der Stadt“, „garantierte Heilung“ oder „Sonderpreise“ sind unzulässig.
  3. Irreführende Aussagen – verboten. Qualifikationen oder Spezialisierungen dürfen nur genannt werden, wenn sie nachweisbar sind (z. B. Facharzttitel, Zusatzbezeichnungen).
  4. Vergleichende Werbung – verboten. Aussagen wie „besser als Praxis XY“ sind nicht gestattet.
  5. Patientenfotos – nur mit Einwilligung. Vorher/Nachher-Bilder dürfen nur mit ausdrücklicher schriftlicher Einwilligung des Patienten veröffentlicht werden. In manchen Fällen (z. B. Schönheitschirurgie) gelten zusätzliche Einschränkungen durch das Heilmittelwerbegesetz.

Fakt: Die Ärztekammern haben ihre Regelungen in den letzten Jahren gelockert. Seit der Novellierung der Berufsordnung 2012 sind auch Social-Media-Auftritte und informative Videos grundsätzlich erlaubt – solange der sachliche Charakter gewahrt bleibt. Im Zweifel empfiehlt sich eine Rücksprache mit der zuständigen Landesärztekammer.

Budget-Empfehlungen

Der angemessene Marketingaufwand hängt von der Praxisgröße, dem Standort und der Wettbewerbssituation ab. Die folgende Tabelle gibt Orientierungswerte für monatliche Budgets.

Praxistyp Monatliches Budget Schwerpunkte Erwartbarer Effekt
Einzelpraxis 300–600 € Google Business Profile, Jameda-Profil, Bewertungsmanagement +15–25 % Neupatientenanfragen
Gemeinschaftspraxis 600–1.200 € Zusätzlich: Website-SEO, Social-Media-Grundauftritt, Doctolib +25–40 % Sichtbarkeit lokal
MVZ 1.500–3.000 € Zusätzlich: Google Ads lokal, Content-Marketing, Arbeitgebermarke Regionale Marktführerschaft digital

Diese Angaben verstehen sich als Richtwerte inklusive Agenturhonorare oder Toolkosten. Eigenleistungen (z. B. Bewertungen beantworten, Social-Media-Posts erstellen) reduzieren das Budget, erhöhen aber den Zeitaufwand.

Häufige Fragen zu Praxismarketing

Was darf ich als Arzt für Werbung machen?

Sachliche, berufsbezogene Informationen sind erlaubt. Dazu zählen eine informative Website, ein Google Business Profile, Beiträge auf Social Media mit medizinischen Fachinformationen und Einträge auf Bewertungsportalen. Verboten sind anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung. Die genauen Regelungen finden Sie in § 27 der Muster-Berufsordnung der Bundesärztekammer. Wenn Sie unsicher sind, kontaktieren Sie Ihre zuständige Landesärztekammer – diese beraten in der Regel kostenlos.

Wie bekomme ich mehr Google-Bewertungen als Arztpraxis?

Bitten Sie zufriedene Patienten persönlich nach der Behandlung um eine Bewertung. Erstellen Sie einen kurzen Google-Bewertungslink und drucken Sie diesen auf eine Visitenkarte oder einen kleinen Handzettel, den Sie am Empfang auslegen. Alternativ können Sie den Link per E-Mail oder SMS nach dem Termin versenden. Wichtig: Bieten Sie keine Gegenleistung für Bewertungen an – das verstößt gegen die Google-Richtlinien.

Lohnt sich Jameda Premium?

Das hängt von Ihrer Fachrichtung und Region ab. In umkämpften Städten und bei Fachärzten mit hohem Wettbewerb (z. B. Zahnärzte, Dermatologen) kann sich die Premium-Mitgliedschaft lohnen, weil sie bessere Sichtbarkeit und Online-Terminbuchung bietet. Für Nischenfachrichtungen oder ländliche Regionen reicht häufig das kostenlose Profil in Kombination mit einem gut gepflegten Google Business Profile. Tipp: Testen Sie Premium für drei Monate und messen Sie die Terminanfragen, bevor Sie sich langfristig binden.

Braucht eine Arztpraxis Social Media?

Social Media ist für Arztpraxen kein Muss, kann aber die Patientenbindung stärken und Vertrauen aufbauen. Besonders geeignet sind Instagram für Einblicke in den Praxisalltag (Team-Vorstellung, neue Geräte, Praxisräume) und LinkedIn für fachliche Positionierung. Wichtig: Inhalte müssen sachlich bleiben und dürfen keine Heilversprechen enthalten. Wenn Sie keine Kapazität haben, ist ein gut gepflegtes Google Business Profile deutlich wertvoller als ein vernachlässigter Social-Media-Kanal.

Praxismarketing professionell umsetzen

Wir entwickeln eine Marketing-Strategie, die zur Berufsordnung passt und neue Patienten bringt.

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